Aby Warburgs Bilderatlas Mnemosyne | Bundeskunsthalle

Aby Warburgs Bilderatlas Mnemosyne | Bundeskunsthalle Bonn Ausstellung

Mein Hauptanliegen in Bonn war endlich ein (seit Jahren geplanter) Besuch der Bundeskunsthalle, auch aufgrund einer ganz besonderen Ausstellung: Aby Warburgs Bilderatlas Mnemosyne.
Aby Warburg war Kunsthistoriker, Kulturwissenschaftler und könnte heute wohl als interdisziplinärer Grenzgänger bezeichnet werden, er ist unter anderem bekannt dafür, die Methode der Ikonologie in die Kunstgeschichte eingebracht zu haben. Auch sein Projekt des Bilderatlasses ist bis heute prägend. Warburg agumentierte darin ausschließlich mit Bildern für ein vermeintlich kollektives visuelles Gedächtnis.

Die Rekonstruktion von Axel Heil, Roberto Ohrt und dem Warburg Institute zeigt die letzte, jedoch wohl nicht fertiggestellte Version des Bilderatlasses von 1928, mit den überwiegend originalen Abbildungen aus der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg (K.B.W.). Im vergangenen Jahr wurde sie erstmals im HKW in Berlin präsentiert. In seinem passenderweise nach der Göttin der Erinnerung benannten Atlas untersuchte Warburg durch die Zusammenstellung von Bildern auf 63 großformatigen Tafeln Parallelen und Bezüge zwischen Darstellungsweisen unterschiedlicher Zeiträume und Kontexte. Die Umsetzung sollte dabei sowohl der Forschung als auch der Vermittlung dienen. Warburg rekonstruierte sogenannte Wanderstraßen und legt die Übernahme antiker mythologischer Motive, auch beispielsweise aus der Astrologie, in die christliche Ikonographie und darüber hinaus dar. Die Zusammenstellung endet schließlich mit zeitgenössischen Werbemedien, auch wenn dieser Aspekt deutlich geringer ausgeprägt ist, als ich im Voraus angenommen hatte. Mit seinem ambitionierten Vorhaben hat Warburg so weit vorausgegriffen in Praktiken, die heute noch in dieser Tradition (be)stehen und den Blick auf uns umgebende Bildmedien nachzeichnen können.

Seine bemerkenswerte These wird im Grunde ausschließlich anhand des Bildmaterials durch genaues, vergleichendes Hinsehen nachvollziehbar. Angesichts des Umfangs empfand ich den Atlas ein bisschen als erschlagend, aber die Auseinandersetzung und Bildung von Rückbezügen gleichwohl sehr belohnend. Besonders beeinduckt hat mich Warburgs grenzüberschreitendes Denken und Konzipieren, das zahlreiche Beziehungen erkennbar macht. Die Arbeit über Gattungen, Epochenzuordnungen und Disziplinen hinweg äußert sich anhand des Bilderatlasses förmlich plastisch. Dessen Gedanke, Darstellungsweisen exemplarisch auf Vorbilder aus der Antike zurückzuführen, hat bis heute Relevanz.
Fotografien der Tafeln wurden begleitend auch als großformatige Publikation herausgebracht. Zudem lässt sich bei Interesse einige andere Begleit- und thematisch passende Literatur finden. Nach Bonn ist die nächste Station des Bilderatlasses übrigens Hamburg. Ich kann jedem eine Betrachtung nur ans Herz legen, handelt es sich doch um ein unvergleichlich besonderes, bereicherndes Lernerlebnis, für jeden – wie es hoffentlich auch intendiert war.

Aby Warburgs Bilderatlas Mnemosyne | Bundeskunsthalle Bonn Publikation
Aby Warburgs Bilderatlas Mnemosyne | Bundeskunsthalle Bonn Ausstellung

(Fotografieren war in der Ausstellung leider nicht gestattet.)

Aby Warburgs Bilderatlas Mnemosyne | Bundeskunsthalle Bonn Ausstellung

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