Das, was ich gebraucht habe: „Trauern. Von Verlust und Veränderung“ in der Hamburger Kunsthalle

"Trauern. Von Verlust und Veränderung" in der Hamburger Kunsthalle, Lichthof und Lesesaal in der Galerie der Gegenwart

Nach/ in einem stressigen, leider nicht so tollen Semester habe mir letzte Woche einen Tag frei genommen, ich wollte mal rauskommen. Hamburg tut mir eigentlich immer gut, daher bin ich am Donnerstag mit meinem Freund endlich mal wieder hingefahren. Ich wollte auch noch die Ausstellung Trauern. Von Verlust und Veränderung in der Hamburger Kunsthalle sehen, die nur noch bis Sonntag lief, daher passte das ganz gut.
Dieser Beitrag wird keine Rezension der Ausstellung werden, auch wenn ich die ausgestellte zeitgenössische Kunst mal sehr lehrreich, mal sogar unterhaltsam, überraschend, beeindruckend, wunderschön oder öfter auch beklemmend fand. Vielmehr möchte ich reflektieren, was mir zu dem Tag und dem Thema gerade durch den Kopf geht. Ich versuche, meine Gedanken aufzuschreiben, auch wenn vieles angesichtes der Thematik wohl nicht in Worte zu fassen ist. Aber zu schreiben, ohne eine wirkliche These zu verfolgen, darauf habe ich in letzter Zeit öfter Lust.

"Trauern. Von Verlust und Veränderung" in der Hamburger Kunsthalle, Ausstellung in der Galerie der Gegenwart

Anfangs war ich mir nicht so sicher, ob es wirklich eine gute Idee war, gerade wenn es mir nicht so gut geht und ich einen schönen Tag verbringen möchte, in eine Ausstellung zum Thema Trauer zu gehen. Diese Bedenken aber waren weitgehend unbegründet. Vielleicht lag es an meiner Begleitung, vielleicht an meinem (wahrscheinlich) Lieblingsmuseum, vielleicht an Hamburg, oder wirklich an der Kunst, aber über die Erfahrung war und bin ich nun sehr froh.

Hast Du ein Lieblingsmuseum?
Zum Glück muss ich mich da nicht entscheiden und sinnvoll ist es auch nicht unbedingt, aber ich finde es doch schön, Orte zu haben, die einem immer wieder guttun, helfen, begeistern und Freude bereiten. Eine meiner liebsten solcher Institutionen ist die Hamburger Kunsthalle. Gar nicht mal aufgrund nicht von der Hand zu weisender Faktoren wie der Vermittlung, Sammlung oder Architektur, sondern hauptsächlich wegen subjektiver, persönlicher Zuschreibungen an das Haus. Ein Haus, das eben auch ein Stück Hamburger Geschichte ist.

Nach dem Besuch von Trauern war ich nicht deprimiert, von vielem aber zutiefst berührt. Ohne zu tief gehen zu wollen: Ich finde, es gibt gute und schlechte Facetten von Traurigkeit, und was bei mir hier evoziert wurde, war ersteres. Ein Gefühl voller Dankbarkeit, Sinn für das Schöne und ein Stück weit auch Demut. Dazu hat auch der Aspekt der Veränderung in der Ausstellung beigetragen: Zwar ist Veränderung anzunehmen (für mich) nicht immer einfach, aber wie notwendig und gut sie für Wachstum dennoch ist, versuche ich mir vor Augen zu halten. Gerade bin ich gespannt auf das, was noch kommt. Der Ausstellungsbesuch hat meine Gedanken zum Thema Trauer wieder angestoßen und meinen Fokus auf das Thema erneuert. Trauer kann sein wie ein Tier, das einen anfällt, meinte meine Mama ein paar Tage später. Oder eben auch unterschwelliger, konstanter, wie ich sie die letzten Wochen empfunden habe. Oder noch anders. Letztendlich betrifft das Thema schließlich jeden. Schade, dass Trauer so häufig als Tabu gesehen wird, andererseits möchte natürlich auch ich nicht die Lebensfreude anderer durch solche Gesprächsthemen rauben. Für alles sollte es eben einen Raum und eine Zeit geben, wie sie die Ausstellung in meinen Augen bieten konnte. Daher ist sie so sehr mit mir und in meinen Gedanken geblieben, wie lange keine Ausstellung mehr.

Ein Tag in Hamburg: Fischmarkt; Ausstellung "Trauern. Von Verlust und Veränderung" in der Hamburger Kunsthalle, Lichthof in der Galerie der Gegenwart.

Unser Tag in Hamburg hat mich auch wieder einmal zum Nachdenken gebracht, was und wem wir Menschen Bedeutung und Wert zuschreiben, was mich inwieweit glücklich machen kann, was für mich zählt und wichtig ist. Wie schön es ist, persönliche Bereicherung erfahren zu dürfen. Und daraus zu lernen. Warum und wo wir zulassen, uns begeistern zu lassen. Für mich auf einige dieser Gedanken erste, temporäre Antworten zu haben, das reicht mir gerade schon. Bevor das hier jetzt zu sehr in Richtung Pseudophilosophie rutscht, ist aber mal gut.

Wir haben uns Zeit in der Kunsthalle genommen und uns dann, vom Hunger getrieben, noch einen schönen Tag gemacht, vor allem im Schanzenviertel und in St. Pauli. Abends kamen wir müde zurück, aber zufrieden. Wie es bei mir die Regel ist nach den vielen Großstadt-Eindrücken: Hamburg war für mich früher, als meine Eltern mit uns vielleicht einmal im Jahr in ihre alte Heimat gefahren sind, immer ein Highlight, auf das ich lange hingefiebert habe. Jetzt schaffe ich es zum Glück öfter, aber immer noch viel zu selten dorthin. Seinen Zauber hat Hamburg dabei weitgehend behalten können. Dabei hat die Stadt diese Anziehungskraft wahrscheinlich nur durch das, was ich eben an sie herantrage.

Ein Tag in Hamburg: Ausstellung "Trauern. Von Verlust und Veränderung" in der Hamburger Kunsthalle, Lichthof in der Galerie der Gegenwart

Leider endete die Ausstellung am Sonntag, aber ich habe diesen Text nicht eher fertiggestellt bekommen, weil ich mir noch etwas Zeit für mich nehmen wollte. Dennoch kann ich euch ans Herz legen, hier mehr zu den beteiligten Künstler*innen nachzulesen, es sind ein paar meiner Favoriten dabei gewesen. Ihre Werke haben Anstoß für eine Auseinandersetzung geliefert, die mich bereichert und belehrt. Ich hoffe, dass ich mir diese beibehalten, und auch, dass es euch ähnlich gehen kann.

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