David Chipperfield Architects: Literaturmuseum der Moderne | DLA Marbach

David Chipperfield Architects: Literaturmuseum der Moderne in Marbach.
David Chipperfield Architects: Literaturmuseum der Moderne in Marbach.
David Chipperfield Architects: Literaturmuseum der Moderne in Marbach.

An ein paar Stellen sieht man dem Bau die vergangenen Jahre an, aber im Großen und Ganzen hat er sich gut gehalten. Nicht der neuste Entwurf des Büros in Deutschland, aber immer noch ein überzeugender und erstaunlich zeitloser: das Literaturmuseum der Moderne in Marbach von David Chipperfield Architects (2001-2006).

Reihen/ Kolonnaden von Pfeilern, die durch den Fall von Licht und Schatten immer wieder eine lebendige Wirkung schaffen und Rückbezüge auf diverse Bautraditionen zulassen, fallen als charakteristischstes Merkmal auf. Durch ihre Repetition werden sie zum effektvollen Gestaltungselement. Der Sockel, in dem sie zur Hangseite münden, formt vorgezogen eine Bank und Brüstung. Aus den Pfeilern ergibt sich gewissermaßen eine permeable Hülle um den eigentlichen Bau. Die Fassade des Kerns bildet sich mit einer einheitlichen Gliederung aus rötlich lasiertem Holz, bodentiefen Fenstern bzw. zur Hangseite einem zusätzlichen Sockel aus. Für mehr als einen kurzen Blick ins reduzierte Innere hat es diesmal nicht gereicht, aber wiederzukommen habe ich fest vor.

Der Hanglage entsprechend befindet sich unterhalb des Erdgeschosses eine weitere Etage mit Räumlichkeiten, die das Gebäude deutlich geräumiger machen, als es auf den ersten Blick wirkt. Hinter dem Literaturmuseum der Moderne ist vor dem Ausblick in die schwäbische Landschaft ein Platz zum Treffen und Verweilen geboten, der durch helle Steinquader situiert wird.
Auf dem Areal befinden sich zudem ebenfalls weitere, deutlich größere und in gewisser Weise auch monumentalere Gebäude: das Schiller-Nationalmuseum und das Deutsche Literaturarchiv, siehe unten. Vor allem auch sein Bestehen neben diesen zwei weiteren, sehr gegensätzlichen und dennoch bemerkenswerten Gebäuden schafft nochmal eine neue Spannung und Wirkungsbeziehung von Chipperfields Bau. Dieser erweist sich als delikater und dennoch selbstbewusst, mit eigenem Zweckanspruch. Wieder einmal zeichnet vor allem seine Reduktion den Entwurf aus.
Die weitere Umgebung der sogenannten Schillerhöhe mit Parkanlage, Blumenbeeten sowie einem Schillerdenkmal von Ernst Rau befindet sich etwas außerhalb des historischen Ortskerns der „Schillerstadt“ Marbach. Nah dran an der verklärten Kleinstadtidylle. Der Begriff einer „Gedächtnislandschaft“ scheint angesichts der vielfältigen Bezüge und Hintergründe dabei nicht unpassend.

Neben erwähnten Pfeilern kennzeichnen Chipperfield-Entwürfe für mich vor allem die konsequente Materialwahl, Sichtachsen, ein effektvoller Einsatz von Licht sowie die konzeptuelle Art und Weise, wie sich umbaute Räume formen und öffnen. Das manifestiert sich hier sehr exemplarisch, immer wieder kommt das Attribut sorgfältig in den Sinn. Auch wenn mir bei den Plänen für den Elbtower noch Skepsis angebracht scheint.

Mehr Gebäude von David Chipperfield Architects in Deutschland: Museum Folkwang in Essen, Neues Museum, James-Simon-Galerie und die Sanierung der Neuen Nationalgalerie in Berlin.

David Chipperfield Architects: Literaturmuseum der Moderne in Marbach.
David Chipperfield Architects: Literaturmuseum der Moderne in Marbach.
David Chipperfield Architects: Literaturmuseum der Moderne in Marbach.
David Chipperfield Architects: Literaturmuseum der Moderne in Marbach.
Schiller-Nationalmuseum | David Chipperfield Architects: Literaturmuseum der Moderne in Marbach.

Links: Schiller-Nationalmuseum (Ludwig Eisenlohr und Carl Weigle).

Deutsches Literaturarchiv Marbach.

Deutsches Literaturarchiv (Elisabeth und Jörg Kiefner, Wolfgang Lauber; siehe auch hier).

David Chipperfield Architects: Literaturmuseum der Moderne in Marbach.

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