Kunst erleben – Ausstellungen der letzten Wochen

Sich Zeit für Kunst zu nehmen ist eigentlich immer lohnenswert und bereichernd, aber in den letzten Monaten ist es bei mir leider ein bisschen hintenüber gefallen. Viel zu selten habe ich es ins Museum geschafft, erst langsam ändert sich das jetzt hoffentlich wieder. Gut, dass ich in ein paar Ausstellungen gehen musste, es waren nämlich echt gute dabei.

Kunst ist immer ein guter Anlass, ins Gespräch zu kommen, und dabei finde ich es auch mal sehr spannend, andere Aspekte rund um den Museumsbesuch mitzubetrachten, die Kunst zum Erlebnis und Auslöser für weiterführende Prozesse werden lassen. Gerade habe ich das Bedürfnis, die Ereignisse ein bisschen zu reflektieren, so here it comes:

Kunst erleben - Ausstellungen der letzten Wochen
Rechts: Wege von Anselm Kiefer.

Kosmos Janssen: wie er schreibt_ im Horst Janssen Museum Oldenburg

Vor zwei Wochen war ich mit Freunden auf der Vernissage von Kosmos Janssen: wie er schreibt_ im Horst Janssen Museum in Oldenburg, auf die hatte ich mich schon seit Monaten gefreut. Sie war nämlich ein bisschen wie eine Geburtstagsparty aufgezogen. Wann sonst kann man bitte im Museumsfoyer tanzen oder bekommt Torte in einer Ausstellung? Eben.

Horst Janssen wäre diesen Monat 90 geworden, zu diesem Anlass widmet sich die Ausstellung der Beziehung von Janssen und seinem Œuvre zur Literatur. Seien es Buchcover, Leporellos, Porträts… In der Kunsthalle Emden behandelt die in Kooperation mit dem HJM entstandene Partnerausstellung dazu das Thema Janssen und die Bildende Kunst, dahin habe ich es aber auch noch nicht geschafft. Hoffentlich bald. Lust auf mehr Janssen hat die Vernissage auf jeden Fall gemacht, dazu unerwartete Gespräche über Kunst, bekannte Gesichter wiedersehen und Weinschorle – der Abend war ein guter.

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Kunst erleben – Ausstellungen der letzten Wochen
Rechts: Wandbild The shortest distance between two points is no fun von Tobias Rehberger.

bauhaustapete – neu aufgerollt im Museumsquartier Osnabrück

Letzte Woche hatte ich gleich zwei Exkursionen von der Uni aus, nach Osnabrück und nach Hamburg. In Osnabrück haben wir die Ausstellung bauhaustapete – neu aufgerollt im Museumsquartier besucht, ich wäre aber eh auch ohne Exkursion hingefahren. Vorher hatte ich mich schon ein bisschen mit der Geschichte der Bauhaustapete auseinandergesetzt und fand sie unglaublich spannend. Bei meiner Recherche wurde ich immer wieder auch überrascht und kann nur jedem raten, sich mal in die Thematik einzulesen.

Tapete kam mir ursprünglich eher nicht in den Sinn, wenn ich an Bauhaus gedacht habe, dennoch war die Bauhaustapete tatsächlich das kommerziell erfolgreichste und heute noch einzige originale Industrieprodukt der Kunstschule, das seit 1929 produziert wird. Wie es zur Tapetenkollektion kam, wie sie sich seitdem entwickelt hat und wie die aktuelle Kollektion versucht, an die Ursprünge anzuknüpfen (und was sie dabei versäumt), kann man ganz gut und anschaulich in der Ausstellung erfahren.

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Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück Architektur

Felix-Nussbaum-Haus

Keine Sonderausstellung, aber in Osnabrück haben wir auch noch ins Felix-Nussbaum-Haus reingeguckt, das zum Museumsquartier dazugehört. Dorthin wollte ich eh schon lange mal, allein wegen der Architektur: Entworfen hat das Gebäude natürlich Daniel Libeskind, von dem ich bisher nur das Jüdische Museum in Berlin gesehen hatte.

Ich bin ehrlich gesagt immer noch dabei, den Besuch zu reflektieren, ein Urteil zu fällen fällt mir schwer. Einerseits hat mich das Gebäude sehr fasziniert aufgrund seiner skulpturalen Eigenschaften, des konsequenten, reduzierten Materialeinsatzes, der durchgehenden Formensprache sowie dem Spiel mit und zwischen Ebenen. Natürlich sorgt schon allein der Name Libeskind für Interesse, auch bei mir. Andererseits schien der Ausstellungsraum nicht immer ganz als solcher geeignet zu sein und drängte Nussbaums Bilder ein bisschen in die Ecke, der Dialog zwischen Kunst und Umgebung wirkte auf mich fast ein bisschen unausgewogen.

Wie wir erfahren haben, hat Libeskind das Gebäude bewusst nicht einladend entworfen und intendiert, dass sich Besucher*innen nicht wohlfühlen sollen. Felix Nussbaums Situation als Jude im Dritten Reich soll hier durch das Raumgefühl transportiert und ein Stück weit nachempfindbar gemacht werden.

Wie Architektur Emotion Ausdruck verleihen und das persönliche Befinden beeinflussen kann, wurde mir hier bewusst gemacht und beschäftigt mich immer noch. Auf jeden Fall eine Erfahrung, die einem im Gedächtnis bleibt.

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BASELITZ, RICHTER, POLKE, KIEFER. DIE JUNGEN JAHRE DER ALTEN MEISTER in den Deichtorhallen Hamburg | Tasteboykott

BASELITZ, RICHTER, POLKE, KIEFER. DIE JUNGEN JAHRE DER ALTEN MEISTER in den Deichtorhallen Hamburg

Noch eine Exkursion, für dich ich auch sehr dankbar bin: In den Deichtorhallen wurden in einer einzigen Ausstellung Werke von vier der größten deutschen Künstler zusammengetragen, wobei sich auf deren Anfangszeiten in den 60er und 70er Jahren beschränkt wurde. Es handelt sich bei allen natürlich um große Namen, zu denen ich dennoch einiges Neues gelernt und auch manches Ressentiment abbauen konnte.

Die Führung durch die Ausstellung hat ganz gut gezeigt, wie 1968 vieles in der Kunst erst ermöglicht wurde, wie Nachkriegsdeutschland Thematisierung fand, welche Provokationen begangen wurden und womit die Künstler zu dieser Zeit brachen. Die künstlerischen Impulse in diesen Jahren empfinde ich als so spannend und so wichtig, die entstandenen Werke dabei oft intelligent und auch einfach beeindruckend. Und wann bekommt man schon die Gelegenheit, gleich vier Künstler dieser Klasse auf einmal zu sehen? (Kann und sollte man auch kritisch sehen, aber etwas Besonderes war die Ausstellung auf jeden Fall.)

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Worauf ich mich in der nächsten Zeit freue:

Noch mehr aktuelle Ausstellungen in Norddeutschland, die ich gerade auf dem Schirm habe: Ikonen in der Bremer Kunsthalle, Little Sister von Grace Weaver im Oldenburger Kunstverein (während der Vernissage hatte ich leider ein Seminar), Ich bin Ich – Paula Modersohn-Becker. Die Selbstbildnisse im Paula Modersohn-Becker Museum, Hans Saebens. Bilder für Bremen (1930-1969) im Focke Museum, Götter und Helden im Schloss Oldenburg. Habt ihr noch Tipps?

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