Mein Minimalismus

Mein Minimalismus - Begriffsdefinition, Vorteile, Tipps um minimalistisch zu wohnen und zu leben. Tasteboykott.

Die Farbe Weiß. Leere. Ein halbleerer Kleiderschrank. Kahle Wände. Capsule Wardrobes. Meal Prepping. Veganismus. Marie Kondo. Äußerste Reduktion. Nachhaltigkeit. Extreme Decluttering. Und viele viele andere Internet-Trendworte – Klar, das alles verbinde ich mit Minimalismus. Ihr vielleicht auch. Aber sind all diese Extreme wirklich notwendige Voraussetzung für einen minimalistischen Lebensstil? Spoiler: Ich glaube nicht. Zumindest nicht zwangsweise.

In den letzten fünf Jahren habe ich mich immer stärker mit dem Thema Minimalismus beschäftigt. Ich fing an, meinen Besitz zu verkleinern, sortierte aus, um Platz zu schaffen. Es war mir ein inneres Bedürfnis und ich fühlte mich stets besser danach. Mittlerweile hat Minimalismus eine große Rolle in meinem Leben eingenommen, ganz schleichend. Und daher ist es mal Zeit, meine Gedanken zu dem Thema zu sammeln:

Was bedeutet Minimalismus für mich, was meine ich überhaupt damit und – natürlich – welche Vorteile hat er?

Gleich vorweg: Ich möchte nicht alle Gegenstände in meinem Besitz zählen und damit bitte unter eine gewisse Nummer kommen. Oder mich an eine Vorgaben-Liste halten. Es muss auch nicht alles weiß sein. Dazu ist doch auch jeder Haushalt viel zu unterschiedlich, um solche allgemeinen Richtlinien angeben zu wollen, was noch als „minimalistisch“ zählt. Und auch wenn ich Gegenstand XY vielleicht nicht unbedingt brauche und regelmäßig benutze, ist es in Ordnung, ihn aufzuheben, solange er mir Freude bereitet.

Was stattdessen zählt, ist der tatsächliche Wert, der ein Gegenstand meinem Leben gibt. Nicht der Preis, sondern der Grad der Bereicherung für mich persönlich. Bereicherung kann auf drei unterschiedliche Wege erfolgen, im Idealfall fallen mehrere zusammen: a) Funktionalität, b) positive Erinnerung/ Sentimentalität, c) Ästhetik. Ist logisch, oder? Wie sehr Sentimentalität daran hindert, im Hier und Jetzt zu leben, ist sicherlich diskutabel. Vielleicht lasse ich irgendwann noch viel mehr Dinge dieser Kategorie los, aber ein paar Erinnerungen möchte ich mir auch materiell in einer Kiste bewahren. Und wann bloße Schönheit nicht mehr ausreicht, bleibt abzuwarten.

Ich bin es mir wert, mich nicht mit unnützem, belastendem Krempel zu umgeben. Und darum geht es: Um Werte. Bereicherung. Oder es fliegt raus.

Um meinen eigenen Stil zu finden und auszuleben, ist Minimalismus zumindest für mich unverzichtbar. Weil er mit seinem reduzierten Look eben auch optisch dazugehört. Mit der Luftigkeit fühle ich mich wohl, ich mag es nicht, 1000 äußere Reize um mich zu haben. Zu Hause brauche ich oft Ruhe, möchte entspannen und abschalten. Trotzdem ist Minimalismus mehr als ein optisch sehr reduzierter Lebensstil, er ist vor allem eine innere Haltung. Minimalismus bedeutet für mich, sich auf das zu besinnen, was einen glücklich macht. Das können weiße, fast leblose Wohnräume sein, oder aber eben auch viele bunte Bücher und Bilder an den Wänden, solange die Einstellung dieselbe ist. Und die wäre (ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit):

Die Vereinfachung meines Lebens durch Verzicht auf unnötige Ablenkung. Ich habe nicht das Bedürfnis, ständig meinen Besitz zu erweitern. Ich habe mehr als genug.

Ein Hausstand, mit dessen Ausmaß ich mich wohlfühle. Viel Zeug kostet mich nicht nur Geld und Platz, sondern auch viel Zeit fürs Einkaufen, Reparieren, Sauberhalten, Verstauen und Organisieren. Den Überblick verliert man da schnell, daher entscheide ich mich ganz klar für einen minimalistischen Lebensstil. Er ist einfach funktionell. Das sollte man übrigens auch beherzigen, denn sich von dringend Benötigtem zu verabschieden, um „Minimalist“ zu sein, ist nicht Sinn der Sache. Minimalismus soll nicht unkomfortabel sein, sondern praktisch. Nichts erschweren, nicht stressen, sondern vereinfachen. Wir sind ja nicht im Kloster.

Er gibt mir Freiraum – zu Hause, aber auch im Kopf. Raum für Kreativität und eigene Gedanken. Denn es macht doch viel mehr Spaß, selbst etwas zu schaffen, als zu shoppen und mich dann um den Kram zu kümmern.

Damit einhergehend: Fokus. Ich muss nicht alles haben/ machen/ sein und setze mittlerweile ganz klar Prioritäten. Meine Zeit, mein Platz und auch mein Budget sind mir zu schade für Dinge, die mich nicht bereichern und glücklich machen. Wobei ich finde, man muss Konsum, Ästhetik und Hedonismus keinesfalls komplett den Rücken kehren. Klar, es gibt Wichtigeres. Und irgendwann ist es nicht mehr genug, sondern zu viel. Aber ganz lossprechen kann/ will ich mich von diesen Hobbys momentan doch gar nicht. Aber Luft nach oben ist auf jeden Fall da, für die Zukunft. Wie bei allem kommt es wohl auch hier auf die Balance an.

Wo Minimalismus endet? Das muss glaube ich jeder für sich selbst definieren. Ich denke, nicht alle Bereiche des Lebens müssen optimiert sein, um als Minimalist zu gelten. Aber es ist schön, dass das Potenzial besteht. Ich würde mich z.B. gerne weniger mit Dingen beschäftigen und meine Zeit Wichtigerem widmen. Kein ewiges Scrollen mehr nach dem perfekten Deko-Tablett, den Versuchungen im Geschäft noch müheloser widerstehen können. Aber das kommt schon noch.

Das ist auch das Schöne am minimalistischen Lebensstil: Es gibt nicht nur einen Weg, ihn auszuüben. Am Ende zählt doch, was einen glücklich macht, und das erfolgt wahrscheinlich für jeden auf unterschiedliche Art und Weise. Und vielleicht auch ganz ohne Minimalismus. Ich liebe die Freiheit und Funktionalität, die ich durch diesen Ansatz gewonnen habe und bestimmt noch gewinnen werde. Was meint ihr, lebt ihr minimalistisch?

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  • Richtig interessanter Beitrag! 🙂 Ich sehe es ganz genauso, mir tut es gut mit nicht übermäßig vielen Dingen zu leben und meinen Besitz immer mal wieder zu hinterfragen, aber ich möchte mich auch keinen bestimmten Regeln unterwerfen und beispielsweise nur noch 50 Dinge oder so besitzen.
    Übrigens auch noch einmal vielen Dank für deinen lieben Kommentar auf meinem Blog, ich hab mich sehr gefreut 🙂

    Alles Liebe, Franziska 🙂

    • Danke, Franziska!
      Wenn man solche Regeln befolgt, ist es mit der Freiheit durch den Minimalismus gleich wieder vorbei, finde ich, und das ist ja auch nicht Sinn der Sache. 🙂