Meine liebsten Bücher in 2017

Meine liebsten Bücher in 2017 Buchfavoriten Belletristik und Klassiker Empfehlungen

Der bevorstehende Jahreswechsel bietet Anlass, zurückzublicken, was los war im vergangenen Jahr, auch literarisch. So viel zu lesen wie 2016 habe ich leider nicht geschafft, aber eine einigermaßen zufriedenstellende Anzahl an Büchern konnte ich doch beenden. Meine liebsten 8 waren diese:

1. Homo Faber von Max Frisch
Max Frisch habe ich erst dieses Jahr entdeckt, und Homo Faber hat mir noch ein bisschen besser gefallen als Andorra, weil ich Epik einfach lieber lese als Dramen.
Warum so toll? Walter Faber versucht stets, sich als durchwegs sachlich und rational denkenden Menschen darzustellen, wird dieser Ambition jedoch nicht ganz gerecht. Seinen Charakter fand ich sehr interessant und gut gewählt, natürlich war mir Sabeth sympathischer (und mir ähnlicher), aber von John Green habe ich die Einstellung „I don’t know where you got the idea that the quality of a novel should be judged by the likeability of its characters“ übernommen, daher ist da Walter Faber kein Minuspunkt. Sein Misstrauen in moderne Technik, trotz seines Berufs als Ingenieur, wird besonders am mehr oder weniger eindeutigen Ende deutlich. Dazu die Zeit der Handlung in den 50er Jahren und die andauernden Reisen, Rückblenden mit Erinnerungen an seine ehemalige Freundin Hanna im Dritten Reich, viele Anspielungen an europäische Kunst und Mythologie, die Details über die ereignisreichen, interessanten Lebensgeschichten der Figuren, der auch immer wieder mitspielende Tod, das hat mich mit meinen Interessen sehr angesprochen in meinem Alter, meiner Situation. Das Buch ist auch heute immer noch aktuell.

2. Der Besuch der alten Dame von Friedrich Dürrenmatt
Wer mag Dürrenmatt nicht? Eben.
Warum so toll? Zu sehen, wie sich nach dem unethischen, kriminellen Angebot – Geld gegen den Mord am Dorfbewohner Ill – der weltweit reichsten Dame Claire ein armes Dorf verschuldet und die daraus unausweichliche Konsequenz näher rückt, wie die Moral und Wahrheit zugunsten des materiellen Wohlstands aufgegeben werden, wie Claire mal wieder ihren Willen bekommt. Erschreckend ist die Tatsache, dass ich als Leser durchaus Verständnis hatte, obwohl man objektiv urteilen kann, dass die Auffassung von „Gerechtigkeit“ für Claire sehr fragwürdig ist. Der Plan ist verwerflich und übertrieben, aber sie handelt nicht grundlos, sie will sich rächen.
Ihr Leben, der unendliche Reichtum, die innerhalb desselben Tages wieder geschiedenen Ehen, die simplen Namen, die sie ihrem Personal gibt, ihre trockene Ehrlichkeit sind einfach absurd und komisch. Ill muss für das Wohl des Dorfes geopfert werden, das ist moralisch falsch, doch kann man es trotzdem rechtfertigen? Hier lassen sich in Ill Anzeichen eines klassischen tragischen Helden erkennen!

3. The Handmaid’s Tale von Margaret Atwood.
Das letzte Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe.
Warum so toll? Eine mal etwas andere Dystopie, aus weiblicher Sichtweise entstanden, die einem auf realistische Weise vor Augen führt, wie wichtig und schützenwert unsere Freiheit ist. Was wir als unsere normale Welt sehen, wird hier als Vergangenheit dargestellt, als das, was mal war. Sehr unheimlich.

4. Narziß und Goldmund von Hermann Hesse
Vielleicht mein absolutes Jahreshighlight, mit Sicherheit mein liebstes Buch von Hesse bisher.
Warum so toll? Wegen der im Zentrum stehenden Freundschaft zwischen Narziß und Goldmund, des wilden, freien Lebens, allein der Gedanke – ich kann jederzeit etwas ändern. Am Ende unterscheidet Hesse sehr klar zwischen wissenschaftlichen und kreativen Menschen. Ich überlege immer noch, ob diese beiden Typen sich wirklich ausschließen. Und wozu ich denn dann gehöre.

5. Alles, was wir geben mussten von Kazuo Ishiguro
Ok, das ist mein literarisches Jahreshighlight.
Auch Ishiguro habe ich dieses Jahr zum ersten Mal gelesen (und zweiten Mal, bei Was vom Tage übrig blieb) und ich muss sagen, ich war dezent sehr erfreut, als er den Nobelpreis bekommen hat.
Warum so toll? Dieses Buch hat mich berührt, schockiert, sentimental und nostalgisch werden lassen. Ich habe einfach eine große Schwäche für England, genau wie für Geschichten über Adoleszenz und Entwicklung. Diese Themen und auch die kindlichen Schilderungen der Schulzeit im Internat und schließlich die Zuführung zum eigentlichen Zweck dieser Leben werden immer von einer rauen Seite gezeichnet, das fand ich so ansprechend. Meine Augen sind am Ende nicht trocken geblieben, eure? Diese Unfreiheit und Vorherbestimmtheit sind einfach eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit, von der Bevölkerung als normal empfunden, daher ohne Chance auf eine Alternative. Das Buch ist kein Geheimtipp, es ist nicht wirklich hoffnungsvoll, aber so gut!

6. Turtles All The Way Down von John Green
John Green ist einer meiner Lieblingsautoren (merkt man das etwa?), ich glaube, mittlerweile habe ich alle seine Bücher gelesen, und TATWD ist da einer meiner Favoriten. Mehr gibt es auf diesem Subreddit.
Warum so toll? Es war sehr bereichernd, über die mentale Krankheit OCD zu lesen, mit etwas anders charakterisierten Personen, die total realistisch wirken. Es gibt überdurchschnittlich viele Verweise auf Kunst und Literatur. Es hat einen autobiografischen Einschlag. Die Beziehung zwischen Autor und Charakter, letzterer als Konstrukt, zeigt, wie ausgeliefert psychisch Kranke ihrem Bewusstsein sind. Große Kunst!

7. Am Ende bleiben die Zedern von Pierre Jarawan.
Warum so toll? Eine wahnsinnig vielschichtige Handlung, später ein nach langer Zeit grandioses, trotzdem glaubhaftes Ende. Ich habe Fernweh bekommen angesichts der Schilderungen des Libanons, durfte die Liebe spüren, die Jarawan behandelt, später dann auch den Schmerz in Amir.

8. Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde.
Nicht auf dem Foto, weil ich keine Ausgabe besitze.
Warum so toll? So viele schöne Sätze habe ich vielleicht noch nie in einem Buch auf einmal gelesen. Dazu das späte 19. Jahrhundert in England, für die Oberschicht rauschend vor Dekadenz und Vergnügen, mit leicht homophilen Touch, der ist von Wilde wahrscheinlich zu erwarten. Hach, damals hatte man noch Klasse! Nunja, Dorian Gray vielleicht auch nicht. 🙂

Inhaltsangaben könnt ihr überall im Netz nachlesen, mit ging es jetzt nur darum, zu erzählen, warum ich die Bücher so gerne mochte. Was waren eure Lesehighlights dieses Jahr? Wie gefallen euch die meinen?

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