Meine liebsten Plätze in Weimar

Werbung ohne Auftrag | Weimar ist nach meinem Besuch im letzten August ganz unerwartet zu einer meiner liebsten Städte überhaupt avanciert, spätestens nach einem kurzen Abstecher diesen Frühling ist daher ein Blogbeitrag fällig.

Meine liebsten Plätze in Weimar: Bauhaus, Literatur (Goethe, Schiller, Bibliothek), Museen, Architektur, Stadtführung, Schlösser, Haus am Horn. Tasteboykott.

„Laßt den Wienern ihren Prater; Weimar, Jena, da ist’s gut!“

Johann Wolfgang von Goethe

Nur in dieser Stadt treffen Goethe, Schiller, Weimarer Republik und Bauhaus aufeinander (nicht alle historisch zeitgleich natürlich). Weimar ist aufgrund dieser Verflechtungen von Literatur, Kunst, Geschichte und Politik für mich eine Blüte deutscher Kultur, wie man sie sonst nicht auf diese einzigartige Weise findet. Um meine Highlights dort geht es jetzt:

Weimar literarisch:

Meine liebsten Plätze in Weimar: Bauhaus, Literatur (Goethe, Schiller, Bibliothek), Museen, Architektur, Stadtführung, Schlösser, Haus am Horn. Tasteboykott.

Goethes Wohnhaus: Man kann die ehemaligen Wohnräume des wohl ikonischsten deutschen Dichters besichtigen und in Ausstellungsräumen ganz in Goethes Leben und die Zeit der Weimarer Klassik eintauchen. Große Klasse, wie er seinen Wohnsitz mit Farben (um)gestaltete und sich mit allerlei Souvenirs und Kostbarkeiten umgab.

Goethes Gartenhaus: Zumindest für mich eines der Gebäude, die ich am stärksten mit Weimar assoziere, wahrscheinlich geht das vielen so. Umgeben ist es von einem süßen Garten (warum heißt es wohl Gartenhaus, wa?) und dahinter erstreckt sich die Weite des Parks an der Ilm. Im Innenraum lassen große Rom-Abbildungen auf Goethes Italien-Faszination schließen, zahlreiche Details ermöglichen, ein genaueres Bild der Schriftstellerpersönlichkeit zu gewinnen.

Meine liebsten Plätze in Weimar: Bauhaus, Literatur (Goethe, Schiller, Bibliothek), Museen, Architektur, Stadtführung, Schlösser, Haus am Horn. Tasteboykott.

Schillers Wohnhaus: Schiller steht gefühlt immer so ein bisschen im Schatten von Goethe, nicht von der Hand zu weisen ist natürlich dennoch sein Beitrag für die deutschsprachige Literatur. Auch wenn sein Einrichtungsgeschmack mit den Mustertapeten nicht so ganz meins ist. Aber da ich Schillers Handwerk des Schreibens natürlich umso mehr bewundere, haben mich die Informationen zu seinem Alltag und der Blick auf seinen originalen Arbeitsplatz ganz besonders gefreut.

Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Ein Traum von einem Raum und bestimmt eine der schönsten Bibliotheken der Welt. Wenn ihr reinkommen wollt, ohne Karten vorher reserviert zu haben, stellt euch sehrrr früh morgens vor die Tür oder fragt am Vortag ganz lieb, ob man euch doch noch eine Karte zurücklegen kann. Und dann hetzt schnell als einer der ersten Besucher nach oben, um den nach dem Brand wieder restaurierten Rokokosaal fast als einziger wahrnehmen zu können.

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Jetzt zu einem radikalen Schnitt und Zeitsprung. Wobei, manchmal lassen erst Kontraste auch Muster und Parallelen deutlicher hervortreten:

Das Bauhaus in Weimar:

Bauhaus-Museum: Die Ursprünge des Bauhauses liegen in Weimar, zum 100-jährigen Jubiläum hat diesen Frühling in der Stadt dazu ein neues Museumsgebäude eröffnet. Der Entwurf stammt von Heike Hanada und auch hier gilt: Wenn ihr einen Besuch plant, reserviert jetzt sofort Karten. Es gibt wirklich nur marginal wenige Restkarten vor Ort. Oder macht es wie wir und steht über eine Stunde vor Eröffnung vor der Tür und wartet, dann geht es auch. War aber kalt (erkennt man, wie gut ich bei sowas vorbereitet bin?). Ich verstehe, dass das Gebäude an sich sehr umstritten ist und nicht jedem gefällt, mir ist es auch etwas zu verschlossen, um dem Charakter dessen, was ich mit Bauhaus-Architektur in Verbindung bringe, wirklich gerecht zu werden. Aber die inneren Werte zählen ja bekanntlich, und da kommen Bauhaus-Fans voll auf ihre Kosten.

Meine liebsten Plätze in Weimar: Bauhaus, Literatur (Goethe, Schiller, Bibliothek), Museen, Architektur, Stadtführung, Schlösser, Haus am Horn. Tasteboykott.

Haus am Horn: Es war das erste Bauprojekt des Bauhauses und wurde am 18.5. (Gropius‘ Geburtstag) nach Sanierung endlich wieder eröffnet. Da ich bisher nur vorher da war, habe ich aktuell eine Mini-Sammlung an Fotos, auf denen ich das Haus am Horn verschlossen und unter Renovierung vorgefunden habe. Eine Besichtigung wird aber auf jeden Fall nachgeholt! Spannend finde ich, dass sich Goethes Gartenhaus als traditionelles, quasi national und bürgerlich konnotiertes Walmdachhaus in unmittelbarer Nähe zum Haus am Horn befindet.

Bauhaus-Universität: Ebenfalls nachgeholt wird ein Besuch des rekonstruierten Gropiuszimmers, das ich bisher schlichtweg komplett vergessen hatte. Aber zumindest kann ich euch versichern, dass das Gebäude mit seinen gebogenen Atelier-Dachfenstern auch schon nur von außen einen Besuch Wert ist.

Zum Jubiläumsjahr gibt es zudem eine Vielzahl an Veranstaltungen rund um das Thema, ihr findet hier mehr Informationen.

{Wenn euch das Thema interessiert, findet ihr hier einen kleinen Reisebericht zum Bauhaus in Dessau.}

Meine liebsten Plätze in Weimar: Bauhaus, Literatur (Goethe, Schiller, Bibliothek), Museen, Architektur, Stadtführung, Schlösser, Haus am Horn. Tasteboykott.

Noch mehr in Weimar:

Weitere Sehenswürdigkeiten: Das zentrale Weimarer Stadtschloss war/ist zurzeit leider ge-Schloss-en, haha Puns! Das Schloss Belveder liegt etwas außerhalb über der Stadt, der Ausblick von dort und die Architektur sind wunderschön. Hier wird wieder einmal deutlich, was für eine reiche Stadt Weimar in so vielerlei Hinsicht war und ist. Auf dem Weg haben wir das Haus Hohe Pappeln passiert, das leider an dem Tag nicht geöffnet hatte. Dessen Architekt Henry van de Velde war übrigens Direktor der Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule Weimar, aus der später das Bauhaus hervorging. Das Gebäude der heutigen Bauhaus-Universität hat er auch entworfen. Wie kann bitte so viel interessantes Wissen in einer einzigen Stadt stecken?!

Meine liebsten Plätze in Weimar: Bauhaus, Literatur (Goethe, Schiller, Bibliothek), Museen, Architektur, Stadtführung, Schlösser, Haus am Horn. Tasteboykott.

Um den Marktplatz mit Cranachhaus und Rathaus kommt man eh nicht herum, ich schreibe ihn aber mal mit auf. Fun Fact: Das Rathaus wurde im neogotischen Stil errichtet, da die Gotik im 19. Jahrhundert als der nationale, ‚deutsche‘ Stil angesehen wurde (übrigens auch von Goethe), dabei stammt sie ursprünglich natürlich aus Frankreich. Also ich finde das lustig.

Vom Marktplatz aus gehen außerdem die Stadtführungen los (in der Touristeninfo anmelden), sie dauern circa zwei Stunden. Da Weimar auch nicht riesig ist, lässt sich vieles zu Fuß erreichen. Beispielsweise auch der Park an der Ilm, der wie ein Gemälde komponiert und angelegt wurde. Ich glaube, das war für die Zeit typisch und wurde überall so gemacht, aber jetzt habe ich richtig Lust, mehr über die Geschichte von Parkgestaltung zu lernen. Toll. Geendet hat der Rundgang beim Theater und dem Goethe-Schiller-Denkmal. Und noch zwei Empfehlungen, dann war das wirklich alles: 1.: Vom Turm der Jakobskirche aus hat man einen einzigartigen Ausblick auf die Stadt. 2.: Die Klassik Stiftung hat einen sehr schönen Shop, ganz kurz und knapp gesagt.

Meine liebsten Plätze in Weimar: Bauhaus, Literatur (Goethe, Schiller, Bibliothek), Museen, Architektur, Stadtführung, Schlösser, Haus am Horn. Tasteboykott.

Stadt mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Neben den oben erwähnten Sehenswürdigkeiten möchte ich bei meinem nächsten Trip nach Weimar gerne das Neue Museum und das erst kürzlich eröffnete Haus der Weimarer Republik besuchen, habt ihr noch mehr Tipps? (Übrigens: Dieser Beitrag ist jetzt schon so lange angefangen und nicht fertig geschrieben gewesen, dass seitdem mittlerweile das Haus am Horn UND das Haus der Weimarer Republik eröffnet haben! Ich bin echt schnell.)

Selten habe ich so viele kleine Galerien und individuelle Geschäfte auf einmal gesehen, dazu viele Stahlskulpturen (von Beate Debus und Thomas Röthel) im öffentlichen Raum. Zwischendrin stehen auch ein paar sehr moderne Gebäude, aber genau richtig und auf geschmackvolle Weise ins Stadtbild integriert. Und das alles vor dieser charmanten, bildungsbürgerlich-humanistisch geprägten Kulisse einer Kleinstadt… hach. Wahrscheinlich kein Wunder, dass solch ein Reichtum an Architektur, Historie und guter Gestaltung aus der Vergangenheit auch die Zukunft inspiriert. Das zeigt mal wieder, welche Relevanz Kultur, Kunst, Fortschritt und Demokratie haben.

So, jetzt habe ich schon wieder Lust auf Weimar, ganz großartig. Wer kommt mit?

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