Sammelst Du etwas?

Neulich wurde ich mal wieder gefragt, ob ich denn eigentlich etwas sammle. Mal kurz nachdenken: Briefmarken nutze ich nur für meine Post, Münzen gebe ich aus und auch Modelleisenbahnen sind dann doch nicht so ganz mein Interessengebiet. Von Teddybären und Kuckucksuhren ganz zu schweigen.
Aber was sammle ich dann? Muss man etwas sammeln? Wo hört überhaupt „normaler Besitz“ auf und wo fängt eine „Sammlung“ an? Braucht es dazu eine Mindestanzahl? Eine besondere Art der Präsentation? Kann man jede beliebige Gruppe an Dingen sammeln? Ist ein volles Bücherregal z.B. schon eine Sammlung, wenn man es so bezeichnet? Ein Kleiderschrank? Was ist mit dem Geschirr in der Küche – Ist alles, was über das Nötigste hinausgeht, Teil einer Sammlung? Schon die Basics? Oder vielleicht können Alltagsgegenstände gar nicht mehr sein als Mittel zum Zweck? Darf das jeder für sich selbst definieren?
Noch interessanter: Muss man alle Teile einer Sammlung am selben Platz aufbewahren? Muss eine Sammlung in irgendeiner Weise kuratiert sein? Muss sie aus physischen Gegenständen bestehen? Und muss ich diese alle überhaupt besitzen?

“I have the world’s largest collection of sea shells. I keep it scattered on beaches all over the world. Maybe you’ve seen some of it.”

{Steven Wright, Quelle}

Der Begriff der Sammlung für meine heutigen Zwecke wird definiert als „eine größere Zahl von Gegenständen der gleichen Art, die jmd. aus Neigung zusammengetragen hat“ {Quelle}.
Es reicht also nicht, gleich eine einzige Blumenvase als Sammlung zu betiteln, ebensowenig ist ein Konvolut aus Hemd, Hose und Gürtel eine solche. Interessant ist der Relativsatz: Ursache des Sammelns ist eine Neigung. Sie ist es wohl, die Leute überhaupt dazu bringt, Geld für viele nicht zwangsläufig wirklich notwendige Dinge auszugeben.
Hier muss ich wohl sagen, dass diese Neigung/ Sammelleidenschaft bei mir nicht wirklich ausgeprägt ist. Ich bin Minimalist was meinen Besitz angeht und muss nicht wirklich alles kaufen und haben.
Ganz freisprechen kann ich mich jedoch auch nicht vom Sammeln, schöne Dinge liebe ich wie die meisten Menschen. Und halte daher stets Ausschau nach Neuem: Ich sammle Kunstbücher, schöne Dekoobjekte, Schälchen von unterwegs, normale Bücher, Strickpullover, Erinnerungen, Fotos auf meiner Festplatte…
Natürlich würde ich gerne unter die Kunstsammler gehen, wenn es Budget und Prioritäten irgendwann zulassen. (Wobei zu den Themen Kommodifizierung/ Kunstmarkt/ Kunst als Trophäe und Geldanlage mal ein eigener Beitrag notwendig wäre.)
Kameraequipment und Kunstmaterial würde ich eher nicht als Sammlung ansehen, von diesen Dingen habe ich keine große Anzahl und ich kaufe sie schließlich nur, um sie zu benutzen. Wobei, (Kunst)bücher werden ebenfalls benutzt und stehen nicht nur dekorativ rum. Ich merke schon – Sammlungen müssen doch nicht so unpraktisch sein, wie ich dachte. Sorry. Auch der Begriff der „Neigung“ ist sicherlich dehnbar.

Sammelst du etwas? Gedanken zum Sammeln in unserer modernen Gesellschaft, Minimalismus, Konsum und Beweggründen. Text Tasteboykott Blog.

Für mich müssen die Dinge nicht besonders alt oder wertvoll sein, mein Geschmack ist das Hauptkriterium. Auch weitere Einschränkungen wie Größe/ Herkunftsland/ Thema lasse ich persönlich zurzeit weg, und bin relativ wahllos. Oben beschriebene Gegenstände, die mich ansprechen, die vom Preis in Ordnung sind und in der Regel auch hübsch genug aussehen, passen in mein Beuteschema. Wichtig ist mir immer, a) nicht zu viel auf einmal anzuschleppen (und auszugeben) und b) mich auch wieder zu davon trennen, wenn ich keine Freude mehr an etwas habe.
Die Sache am Sammeln? Man ist nie fertig, kann immer noch mehr haben. Und das schreckt mich so ab, deshalb sehe ich mich eher weniger als Sammler, mehr als „Kurator meines Besitzes“. Mehr ist für mich einfach nicht immer mehr, und Dinge, die ich besitze, sollen mir Freude bereiten. Wenn zu viele davon dieselbe Funktion übernehmen oder von derselben Art sind, tun sie das für mich nicht mehr.
Wie sinnvoll ist es heutzutage überhaupt noch, zu sammeln? Wo Platz und Ressourcen begrenzt sind, wo man häufiger umzieht, wo Studien zeigen, dass Geld in Ereignisse investiert mehr Freude bringt? Und wann wird es zu viel, wann hört es auf, Spaß zu machen? Zeitpunkt und Ausmaß sind hier wohl von Einzelfall zu Einzelfall unterschiedlich, aber wenn es überfordert und keine Freude mehr macht, sich vielleicht die Interessen ändern, dann ist die Zeit gekommen, eine Sammlung loszulassen. Die Sachen dann an den Mann oder die Frau zu kriegen, wird meinem Gefühl nach immer schwerer. Vielleicht ein weiterer Grund, dass ich so wenig Zeug anschleppe.
So, jetzt interessiert mich eure Meinung! Was denkt ihr: Minimalismus und Sammeln – passt das zusammen? Und sammelt ihr etwas?

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  • Dinge sammeln, herje, bloß nicht 😉 ! Aber ich habe mal Geschirr gesammelt, das zählt wahrscheinlich nicht, es war halt so teuer, dass ich es mir über Jahre habe schenken lassen 🙂 !
    Minimalismus und sammeln, passt das? Ich glaube, das muss jeder mit sich selbst ausmachen.

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.
    Herzliche Grüße
    Cora

    • Ha, bei dir habe ich mir das doch fast gedacht!
      Ob das Geschirr eine Sammlung ist, ist eine gute Frage, Es ist eine größere Zahl von Gegenständen der gleichen Art, aber aus Neigung zusammengetragen? Weiß ich auch nicht!

      Dir auch ein schönes Wochenende, liebe Cora!