Über Lieblingsstücke

Da dachte ich doch tatsächlich kurz, dass ich des Themas Interior Design überdrüssig geworden wäre. Was ich dann stattdessen gemerkt habe: Es gibt immer noch Spannendes, was dort gerade passiert. Da wäre es schade, dem komplett den Rücken zuzukehren. Trotzdem möchte ich nicht die ganze Branche verteidigen. Aber von vorne:

Der Januar bringt mit der Möbelmesse imm in Köln jedes Jahr frische Inspiration und auch immer ein bisschen den Blick in die Glaskugel: Was ist neu, was kommt (auch) beim Wohnen?

Über Lieblingsstücke | Tasteboykott.

Anfangs war ich wenig geflasht von den Eindrücken, die ich online überall so mitbekam. Was wollte ich für ein Plädoyer über sie verfassen. Darüber, wie sie mir immer mehr die Schnelllebigkeit und Konsumorientierung der Einrichtungsbranche vor Augen führten. Wie sie mich mittlerweile oft eher überfordern würden, als dass sie noch inspirieren. Überall sei man ja von Content umgeben (natürlich kann/sollte man selbst entscheiden, was man konsumiert)… Trotzdem ist nur wenig wirklich Neues, für mich Interessantes dabei gewesen, obwohl es ja an Möglichkeiten und Potenzial nicht gefehlt hätte.

Tatsächlich muss ich feststellen, dass ich mir die Fotos früher zwar richtig gerne angeguckt habe, mittlerweile aber eher finde, dass man vieles schon so oft gesehen hat. – Was natürlich auch wiederum die Frage nachzieht, warum ich selbst dann auch noch zu dieser Übersättigung beitrage? Wahrscheinlich, weil ich mich eben doch nicht ganz freisprechen kann von meinem Interesse an schönen Dingen. Weil gutes Design Spaß macht. Weil das Thema mein Herz nach wie vor ein bisschen schneller schlagen lässt…

Ich kann durchaus gerne ein paar hübsche Fotos zu Hause zu machen und sie hier online stellen. Das ist relativ schnell gemacht. Nur welche Signale sende ich damit? Trage ich dadurch nicht auch zu mehr Schnelllebigkeit, Kaufbedürfnissen, Oberflächlichkeit und Druck nach Perfektion bei? – Seit ein paar Jahren liegt ein Beitrag unfertig in meinem Entwürfe-Ordner mit dem Titel Kann man nachhaltig über Interior bloggen?, in dem ich mich unter anderem mit diesen Fragen auseinandersetze. Ich habe die Thematik noch nicht ganz zu Ende durchdacht, tatsächlich umgehe ich sie immer so ein bisschen, weil ich mich da auf einer sehr schmalen Linie bewege.

Kurz glaubte ich, dass ich über all dem stehen würde. Dann kamen aber doch einige Eindrücke, Stories und Bilder von der Messe, bei denen ich vieles echt spannend und inspirierend fand. Nicht unbedingt bestimmte Produkte, aber die Stylings, Raumkonzepte, tolle innenarchitektonische Einfälle, das Zusammenspiel von Materialien, Farben, Texturen und Formen… Was soll ich sagen – letztendlich bin ich dankbar, dass ich diese Einblicke erhalten konnte. (- Habe mich sehr zusammengerissen, nicht Immpressionen zu schreiben, harhar. -) Auch, ohne selbst vor Ort zu sein. Wenn man nach den Perlen sucht und die Redundanzen ausblendet, gewinnt und lernt man so viel. Wie wahrscheinlich so oft.

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Die Fotos passten zufällig ganz gut, um den Text zu untermalen. Irgendwie lässt sich da ein Bogen zu meinen Gedanken spannen: Auch bei mir zu Hause möchte ich noch stärker als früher auf besondere Lieblingsstücke setzen, mit denen ich etwas verbinde und an denen ich lange Freude haben werde. Viel Neues braucht es da gar nicht: Die Schale hat meiner Oma gehört, ich werde sie sehr in Ehren halten. (Beide.) Eigentlich bin ich kein Mensch, der Dinge als Erinnerung an jemanden aufheben muss, aber das Mid-century-Design gefiel mir und jetzt denke ich an einen besonderen Menschen, wenn ich sie sehe. Um solche Bedeutungen soll es mir beim Einrichten gehen, auch abseits von Trends.

Was mir zum Abschluss noch wichtig ist zu sagen: Dieser Text soll niemanden hier ein schlechtes Gefühl geben. Jeder hat seine Interessen/Hobbies/Persönlichkeit und darf sehr gerne Freude an schönen Dingen haben, das tue ich ja auch. Auch viele, die ihren eigenen Stil haben, suchen schließlich gerne nach Inspiration und Gleichgesinnten. Jemandem hier den Spaß zu verderben, ist nicht meine Absicht. Auch möchte ich niemandem vorschreiben, wie man sich einzurichten hat. Oder unterschlagen, dass Einrichtung als Ausdruck der Kreativität und des geschulten Auges zu verstehen ist.

Eine weiterführende Auseinandersetzung mit dem Thema ‚Räume‘ hat auch dieser Artikel neulich bei mir angestoßen, falls es jemanden interessiert.

Das alles als oberflächlich zu verdammen, wie ich es kurz getan hatte, wäre falsch. Design ist Angewandte Kunst, Gestaltung mehr als hübsche Optik und hinter tollen Produkten stecken nicht nur große Marken. Klar, es gibt Wichtigeres. Das gibt es fast immer. Räume und die Objekte, mit denen wir uns umgeben, haben dennoch einen direkten Einfluss auf unser Wohlbefinden. Wir sollten das im Hinterkopf behalten, auch ich. Ich gucke mir immer noch gerne schöne Räume an und werde das auch weiterhin tun. Was ich zudem gemerkt habe: Ich sehne mich wieder mehr nach jungem Design, möchte auch die Geschichten/ Macher*innen hinter den Produkten sehen. Das macht diese oft erst richtig spannend.

Jetzt habe ich sehr viele Gedanken angerissen, die man mal weiterverfolgen könnte, aber genau das nicht getan. Nungut, Konsequenz wird eh überbewertet. In diesem Text herrscht ein ständiges Hin und Zurück, wie in meinem Kopf auch. Über die imm, Trends, Inspiration und eine Schale wäre da wohl ein besserer Titel gewesen…

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